Auf indymedia ist von einer Gruppe eine Auswertung aufgetaucht

gefunden auf linksunten:

In diesem Text versuchen wir eine kurze Auswertung der Kampagne BerlinerListe(www.berlinerliste.noblogs.org) zu machen.

Als eine Gruppe die schon länger stadtpolitisch aktiv ist, fanden wir die Idee der BerlinerListe unterstützendswürdig, die die Palette von Aktionen gegen Akteur_innen von Verdrängung dokumentiert. Schön ist außerdem, dass die theoretische so wie rechtliche Zuarbeit, von beispielsweise Institutionen und ThinkTanks, thematisiert und der Diskurs erweitert wurde. Dabei wurde ein großer Fokus auf Nächtliche Aktionen(http://berlinerliste.noblogs.org/category/aktionen/) gelegt. In dieser Hinsicht haben wir uns sehr über die Sabotage von Baufahrzeugen ( The Garden ), die Flutung der Bevern-Baustelle und den Kampftag der Arbeitslosen gefreut.

Natürlich auch über alle anderen Aktionen, die eingebettet sind in einen gemeinsamen Kampf gegen Verdrängung, wie z.B. das Sit-In bei Stadt und Land, sowie die Mietspiegel-Sponti, die erfolgreich den Blick auf die Veröffentlichung des Mieterhöhungsspiegels lenkte.

Die Bilanz dieses Tages, ist jedoch im Vergleich zu der Veröffentlichung des letzten Mietspiegels, etwas bescheiden ausgefallen, deswegen wünschen wir uns beim nächsten mal etwas mehr Salz in der Suppe, um so, der von Müller und Co. inszenierten Entspannung auf dem Berliner Wohnungsmarkt ein realistisches Gegenbild zu liefern.

Ein Bild das die Verarmung und Verdrängung in der gesamten Stadt deutlich werden lässt. Gerade, weil die Monate vor der Veröffentlichung geprägt waren von unterschiedlichsten Aktionen: Von regelmäßigen Lärmdemos über die bunten Blockaden bei Zwangsräumungen bis hin zu den militanten Angriffen auf Luxusneubauten.

Der Protest war dadurch genauso alltäglich wie die Folgen des Mietwahnsinns. Von diesen unterschiedlichsten Aktionen hätten wir uns an diesem Tag eine bunte Mischung von Aktionen gewünscht, die jedoch ausblieben, obwohl aus unserer Sicht durch die BerlinerListe erfolgreich auf diesen Tag hin gearbeitet wurde.

Repression

All das wurde nicht nur von uns bewundert, selbst die Repressionsorgane widmen den Geschehnissen nun sogar eine eigene kleine SOKO(http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/mutmasslicher-linksextr…). Nach dem aus Bullensicht erfolglosen Maitagen, mit wenigen Festnahmen, aber doch so einigen netten dezentralen Aktionen, wusste sich das LKA 5 wohl nicht anders zu helfen als diesen Geschehnissen sage und schreibe 6 Schreibtischtäter_innen zu widmen. Die Unterdrückungsorgane versuchen gleich jeden kleinen Funken Widerstand, der in der Stadt wächst, im Keim zu ersticken und eine Radikalisierung der Mieter_innen Proteste zu unterbinden.

Wir tun was wir immer tun…

Pöbeln ist unsere stärke- Kritik

I. Event

Die Marke von 15 Aktionen stellt für uns einen gewissen Event-Charakter dar, den wir nicht unkritisch sehen. So ging die Anzahl der Besuche von Akteur_innen nach dem Erreichen der Zielsetzung zurück.

Es gab vielleicht in einigen Bekenner_innenschreiben den Wunsch, die Liste auch nach dem 23.05 weiter abzuarbeiten, doch bisher blieben die Aktionen leider aus. Wir verstehen die BerlinerListe nicht nur als ein Spiel in dem es darum geht eine Marke zu knacken. Verdrängung macht an keiner Marke halt, sondern findet weiter mehr oder weniger ungestört statt.

Zwangsräumungen sind keine Happenings und Verdrängung ist kein Spiel.

Umso wichtiger den Druck jetzt aufrecht zu halten „bis keine_r mehr auf dieser Liste stehen möchte!“

II. „so radikal wie die Wirklichkeit“

Seit der Senat begriffen hat, dass etwas in der Stadt brodelt, wird versucht den Mietenprotest auf zu greifen, ihn zu kanalisieren und Reformen zu entwickeln, die eine offene Diskussion um Kapitalismus, Stadt und Eigentum unterbindet und die existierenden Verhältnisse nicht in frage stellt. Populistische Forderungen gegen die Touristenschwärme werden mittels Ferienwohnungsverbot in „Reförmchen“ umgesetzt. Die oberflächliche Kritik wird aufgegriffen, der Protest wird geschwächt, doch an den Verhältnissen ändert sich nix. Ein Signal wird gesendet „Wir machen was“, der Glaube an die Politik wird weiter gefestigt.

Denn nur ein starker Staat, kann den „außer Kontrolle“ geratenen Markt wieder zähmen, Müller nutzt sein neues „Stadtforum“ um sich mittels Expert_innen bestätigen zu lassen, dass nur Neubau hilft. Neubau der jedoch Ungleichheit in den Eigentumsverhältnisse festigt und sie gar nicht erst in Frage stellt: ein drittel teure Eigentumswohnungen, ein drittel Mietwohnungen, ein drittel Sozialmieten, dass ist die einzige finanzierbare Alternative; soll suggeriert werden!

Protest wird wie am Kotti vom „AktionsraumPlus“(http://www.stadtentwicklung.berlin.de/soziale_stadt/aktionsraeume_plus/) staatlich finanziert. Wie unabhänig können die Forderungen dann noch sein?

Nicht mit uns!

Wir müssen einen radikalen Beitrag leisten in einem Diskurs, der sich durch eine verkürzte Kritik auszeichnet.

– Solange Wohnraum als Wahre angesehen wird, mit dem Profit erwirtschaftet werden soll,

– solange die Stadt nach marktwirtschaftlichen Kriterien organisiert wird

– solange die Stadt mit Gewalt kontrolliert und überwacht wird

– solange es Institutionen gibt die diese Verblendung Aufrechterhalten

– solange Eigentum über dem Menschenleben steht,

solange ist für uns klar:

Kritik muss Praktisch bleiben!

III. Eine Stadt für alle!
Der Protest ebenfalls?!

Genauso wie wir uns eine Stadt vorstellen, in der Platz für unterschiedlichste Vorstellungen ist, sollten die Proteste ebenfalls viele Formen von Aktionen wiederspielgen.

Wir begrüßen den Diskussionsanstoß in dem Schreiben der Mietspiegel-Sponti (link) eigene Leitbilder zu hinterfragen und Konzepte für bestimmte Aktionen zu berücksichtigen, die viele Menschen ausschließen. Darum auch an unsere eigene Adresse, wir würden uns über mehr Aktionen freuen, die bereits im Vorhinein durch die Wahl der Mittel, das Aktionslevel und die Kommunikationskanäle ausschließende Mechanismen mitberücksichtigen. Ebenfalls gilt es das sportliche, junge, dynamische Bild des Aktivisten zu hinterfragen, welches leider immer noch viel zu männlich dominiert ist.

Zum anderen denken wir, dass es immer wieder viele kleine Aktionen gibt, die aber nicht an das autonome Spektrum ran getragen werden und somit weder auf der HomePage der BerlinerListe abgebildet wurden, noch so mit uns verknüpft werden können. Ein gemeinsamer Kampf muss auch gemeinsame Kommunikationskanäle finden und Aktionsformen sollten partizipativer werden.

Wir schließen uns in diesem Punkt den Analysen des Textes „aus anarchsitischer sicht“ (LINK) an.

Die Kritik der Waffe, kann allerdings die Waffen der Kritik nicht ersetzen“

In unserer Gruppe wird immer wieder diskutiert, wie mit Privat Akteur_innen umgegangen werden soll. Trotz nicht abgeschlossener Kontroverse, begrüßen wir das in dem Aufruftext der BerlinerListe beschriebenen Bild einer solidarischen Gesellschaft, nicht aus den Augen zu verlieren, wenn wir Aktionen planen, in denen private Akteur_innen angegangen werden sollen. Von der Vermittelbarkeit abgesehen, muss unserer Meinung nach, vorher reflektiert werden, in wieweit eine personalisierte Kritik die Kapitalistischen VERHÄLTNISSE thematisiert.

Wir finden, dass das Netz von struktureller Unterdrückung durch kapitalistische Verhältnisse sich nicht an einzelnen Personen (Eigentümer_innen sog. Miethaie) aufhängen lässt. Die BerlinerListe versucht die unterschiedlichen Aspekte dieser Unterdrückung und ideologische Verblendung aufzuzeigen. Selbst damit, beschreibt sie nur ein kleines Rädchen in dem ganzen scheiß Apparat der täglichen Fremdbestimmung.

Wir wollen die Verantwortung einzelner Akteur_innen nicht verschweigen. Auch diese nehmen scheinbar unreflektiert ihre Rolle in der Verwertung wahr, jedoch empfiehlt sich eine Auseinandersetzung bei der Wahl der Mittel und welche Rolle die Personen innerhalb eines bestimmten Machtgefüges einnimmt.

Die Zwei Pappnasen von der Muppetshow sind davon natürlich ausgenommen…*

Ausblick

Wir sind für ein weiter machen und genau das werden auch wir tun…

Wir wissen wie schwierig es ist, Kampagnen aufrecht zu erhalten und weiterzuführen, aber eben darum:

Egal ob Flughafen oder Luftschloss – eins muss dran glauben!*

Autonome Gruppe

Berlin den 5.6.2013

*siehe Militanzdebatte, unterstützt vom BKA

*etwas Größenwahn hat noch nie geschadet

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